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Rendi-Wagner: „Niemand nennt mich Joy“

Bild: ORF.at/Benjamin Fischer

SPÖ-Spitzenkandidatin Pamela Rendi-Wagner spricht im persönlichen Interview mit Radio Wien darüber, wie kritisch ihre Töchter ihre Auftritte im Wahlkampf beurteilen, über ihre Heimat Wien und über Spitznamen in ihrer Kindheit.

Als ehemalige Ärztin wird Pamela Rendi-Wagner oft von Freunden und Verwandten um Rat gebeten, erzählt sie im Gespräch mit Radio-Wien-Reporter Bernie Weihsinger: „Man ist die Ärztin der Familie oder zumindest die Ratgeberin für Freundinnen und Freunde – und das ist auch gut so.“

„Das ist das Allerschlimmste“

Sich selbst berät und behandelt Rendi-Wagner weniger gerne: „Das ist das Allerschlimmste. (…) Ich glaub immer, dass Ärzte und Ärztinnen für sich selbst die schlechtesten Praktiker sind, weil wir natürlich mit unserem Körper nicht immer am besten umgehen.“ Rendi-Wagner hat stets mehr als der einzelne Patient die ganze Bevölkerung interessiert. Deswegen wurde sie Tropenmedizinerin – und vermutlich Politikerin.

„Chill mal Mama“

Joy Pamela Rendi Wagner wuchs gemeinsam mit ihrer damals 19-jährigen alleinerziehenden Mutter in einer Gemeindebauwohnung in Favoriten auf. Ihre Großeltern nannten sie Pamela (nicht Englisch ausgesprochen), von anderen wurde sie in der Kindheit auch gern „Meli“ oder Pami“ genannt. Mit „Joy“ hingegen, ihren ersten Namen, spricht sie niemand an. Er sei in Österreich schwierig auszusprechen, viele wüssten nicht, ob es ein männlicher oder weiblicher Name sei, und sie sei einfach die Pamela. „Mit Joy kann ich mich nicht wirklich identifizieren.“

Als waschechte Wienerin mag Rendi-Wagner Wörter wie „leiwand“. Als sie vier Jahre lang in Israel und ein Jahr lang in London arbeitete, ging ihr neben dem Wiener Essen und Wiener Schmäh vor allem die Wiener Sprache ab. Wobei ihre große Tochter schon ganz andere Wörter und Sätze verwendet, als sie damals, wie etwa: „Chill mal Mama“.

Ehrliche Kinder als Hilfe

Rendi-Wagner hat mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern eine eigene „Familien-WhatsApp-Gruppe“. Generell verbringt die Spitzenpolitikerin möglichst viel Zeit mit ihrer Familie und lässt sich auch Feedback geben. „Die 14-Jährige verfolgt das schon mit großem Interesse und ist sicher eine der größten Kritikerinnen, weil sie wie Kinder halt sind, total ehrlich ist. Und da hör ich schon genau hin.“

Rendi-Wagner: 6. Urlaubswoche für alle

„Das ist nicht gerecht, wenn der, der beim gleichen Dienstgeber bleibt, nach 25 Jahren die 6. Urlaubswoche kriegt, weil einfach der Körper müder geworden ist, die Akkus mehr Freizeit brauchen, um wieder aufzuladen. Dann braucht es hier natürlich auch die Gerechtigkeit, dass jemand, wenn er den Arbeitsplatz wechselt, auch den Anspruch hat“, meinte Rendi-Wagner im Gespräch mit ORF Wien-Chefredakteur Paul Tesarek.

Für die SPÖ-Spitzenkandidatin ist „der Arbeitsdruck gestiegen, die Menschen arbeiten in kürzerer Zeit mehr. In der Gastronomie haben etwa die Menschen jetzt durch die neue Gesetzgebung von Schwarz-Blau verkürzte Ruhestunden von acht Stunden, bei langen Arbeitszeiten von zwölf Stunden. Das ist eine große Belastung und irgendwann sind die Menschen ausgequetscht. Das ist bei den Berufen der Fall, wo die Arbeitsbedingungen sehr hart sind, wie in der Gastronomie und in der Pflege. Das sind die Berufe, wo wir kaum Nachwuchs finden.“ Einen Lösungansatz sieht Rendi-Wagner in einer Vier-Tage-Woche: „Dann würden sich Pendler, die ein bis zwei Stunden pro Tag unterwegs sind, einen Tag das Pendeln ersparen.“

„Aufholjagd hat jetzt begonnen“

Gerechtigkeit für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei der 6. Urlaubswoche hat Pamela Rendi-Wagner im „Wien heute“-Studiointerview gefordert. Trotz des Rückstands in den Umfragen glaubt die SPÖ-Spitzenkandidatin noch an eine Aufholjagd.

Für Rendi-Wagner ist der derzeitige Rückstand in den Umfragen noch nicht entscheidend: „Es gibt Leute, die erst in der Wahlkabine entscheiden, welche Partei sie wählen. Deswegen kann man sich gar nicht an Umfragen, die nur Momentaufnahmen sind, 1:1 orientieren. Die Aufholjagd, die heiße Phase, hat jetzt begonnnen. Es geht darum, Antworten mit Inhalten zu geben, weg von den Schmutzkübeln, das wollen die Menschen nicht.“

Einmal mehr verteidigte Rendi-Wagner den Misstrauensantrag gegen die ÖVP-Minderheitsregierung im Mai. Man sei den „Weg der unabhängigen Expertenregierung“ wegen der Notwendigkeit der unabhängigen Aufklärung gegangen: „Heute fühle ich mich bestätigt. Ich musste eine Entscheidung treffen, obwohl ich wusste, das nützt mir vielleicht in der nächsten Umfrage nicht. Aber es war die richtige Entscheidung.“

red, wien.ORF.at

Das gesamte Interview

Das Interview mit SPÖ-Spitzenkandidatin Pamela Rendi-Wagner und ORF Wien-Chefredakteur Paul Tesarek in der ungekürzten Version findet ihr auf der ORF Wien Website.